Montag, 22. Oktober 2007

Von Zwillingswetten und Fischstäbchen

Wie ich schon in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, lern man hier viel über sich selbst, über seine Bedürfnisse und seine Eigenschaften kennen.
Am letzten Donnerstag bin ich noch ein weiteres Mal auf den Fehler reingefallen, auf eine Erasmus-Party zu gehen. Erasmus feiert ja dieses Jahr sein 20jähriges Bestehen. Nach einer Stunde Langeweile inklusive 12€-Eintritt für Getränke, die mehr Eis als Getränk enthielten, und Essen, was aus Grissini mit Wurst bestand, bin ich auch schon wieder auf der Strasse gewesen. Ein kühles Bier in der Kneipe um die Ecke hat mich aber schnell wieder versöhnt.
Das Wochenende verlief erstaunlich ereignisslos. Ich habe lediglich mit meinen 2 Mitbewohnern die fehlenden Einrichtungsgegenstände für unsere sonst sehr gut ausgestattetes Heim eingekauft. Nachdem der "Corte Ingles" uns zu teuer war,(ist so was wie der Karstadt Spaniens) haben wir sämtliche Sachen (Schneidbrett, Toaster, Schüssel, Kochlöffel, Pfanne) einfach im Supermarkt "Carrefour" gekauft. Auf dem Heimweg entdeckten wir dann noch einen chinesischen Trödelladen, wo alle Sachen nochmal viel billiger waren. Der "Chino" hat hier in Spanien zu jeder Tageszeit geöffnet und auch alles was man zum Leben braucht und auch das was man nicht braucht. Ausserdem widmete ich mich neben dem Putzen der Wohnung auch noch dem Schreiben meines ersten Essays über meine 10 Lieblingsfilme. "Dschungelbuch" war da natürlich meine erste Wahl. Ist halt einfach der Film aus meiner Kindheit, an den ich mich neben "In der Arche ist der Wurm drin" erinnern kann. Hab ihn schon allein im Kino 3-4 gesehen und zuhause hatten wir auch für unsere schöne alte Kamera ne Kurzfassung vom "Dschungelbuch".
Ihr seht schon dieses Wochende stand ganz im Zeichen meiner Kindheit und die Flashbacks sollten nicht abreissen.
Am Sontag entschloss ich mich, nachdem ich letzte Woche an der Bürokratie in Spanien gescheitert bin, einen neuen Versuch Richtung Hipodromo, der Pferderennbahn, zu unternehmen. Meine Mitbewohner habe ich enfach mitgeschleppt. Man muss dazu anmerken, dass ich als kleiner Junge sehr häufig mit meinem Papa auf die Rennbahn gegangen bin und ich zu einem wahren Passionszocker wurde. Danke Papa.
Auf zur Galopprennbahn. Nach endlosen Wirrungen waren wir dann endlich angekommen. Es war ca. 14 Uhr und wir wunderten uns, warum die Leute alle fluchtartig gingen. Naja war halt gerade das vorletzte Rennen gewesen. Schöne Scheisse. Ein Rennen halt noch und wenigstens keinen Eintritt mehr. Schnell noch auf den erstbesten Gaul auf Sieg gewettet. 3€ auf die Nummer 3. Und 3€ auf das Pferd mit der Nummer 12 "Homer" auf Platz (1,2 oder 3 für alle Nicht-Zocker). Schnell zur Bahn gelaufen. Da gings schon los. Nix verstanden, da waren die Pferde schon auf der Zielgerade. Die 15 vorne, dann die 14. Wo waren meine Pferde? Am Ende siegt die 3 vor der ? und Dritter die, ja die 12. Sieg auf ganzer Linie.
6 Euro Einsatz 20 Euro Prämie. Ich weiss, ist nicht die Welt, aber immerhin für die schlechten Umstände. Papa, irgendetwas scheinen die regelmässigen Besuche gebracht zu haben. Wegen dir habe ich jetzt 14€ mehr.
Heute stand mein nächstes grosses Projekt an: Schwimmen. Auch hier läuten bei mir die Kindheitsglocken. Ja der Niklas war mal ein grosser Star im Schwimmverein. Schön zig Kilometer in der Morawitzky-Halle in München-Schwabing runtergerissen. Das Fönen danach, der Chlorgeruch, die roten Augen, die Weihnachtsfeier im Nordbad. Ist ganz schön viel, was nur der Geruch eines Schwimmbades in mir an Erinnerungen auslöst.
Ich also rein ins Schwimmbad. Hab ne 10 Karte gekauft. Das Schwimmbad scheint nur von Alt-Frankisten geleitet zu werden. Man muss sich nämlich erst bei einem der dreissig Bademeister anmelden, man wäre jetzt zum Schwimmen da. Dann pfeift dich der erstmal ordentlich an, warum du keine Bademütze hättest und dass beim nächsten Mal es sonst aber was gebe. Abschliessend weist er dir noch ne Bahn zu, die meist schon von drei Rentnern durchpflügt wird. Ja diese Langsamschwimmer. Man denkt sie wollen einen bewusst provozieren, wenn sie direkt vor dir losschwimmen und zwar im raumgreifenden Rücken-Brust-Stil. Ahhhhhh. Naja, hat man einen der lahmen Enten dann überholt und man wendet, muss man feststellen, dass der rüstige Mit80ger plötzlich die Wende in der Mitte der Bahn vollzogen hat und nun in einer Art Wassertret-Technik die nächste Bahn versucht, zu durchschreiten. Nach einer Stunde und etlichen inneren Wutausbüchen später entstieg ich komplett psychisch und physisch bedient der Chlorbrühe. Das Gefühl danach erinnerte mich wieder an damals. Es gibt galub ich nix Effizienteres seine Kinder hungrig und müde zu machen als regelmässig zum Schwimmen zu schicken. Ich bin jetzt am Abend immernoch so kaputt. Es geht garnix mehr.
Ausser einer weiteren Kindheitserinnerung zu huldigen. Gleich gibts Fischstäbchen mit Reis und Erbsen und Karotten. Danke Mama und guten Appetit.

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