Mittwoch, 17. Oktober 2007

Internationale Kompetenz oder oberflaechliche Sprachlosigkeit

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die man aus einem Auslandsaufenthalt gewinnen sollte, ist:
Habe ich mich mit anderen Kulturen (des Landes und der anderen Erasmusstudenten) befasst und ein sogenannte internationale Kompetenz erworben oder nicht?
Der Sinn und Zweck eines Erasmus-Aufenthalts im Speziellen ist, die Jugend Europas einander naeher zu bringen. Doch reicht es aus, sie in eine Klasse in einem neutralen Land zu stecken und darauf zu hoffen, ach irgendwann, irgendwie werden die sich schon zusammenraufen?
Die Antwort ist wie immer aeuserst zwiegespalten. Alle befinden sich in einem zuerst voellig fremden Land und nach einigen Tagen erzaehlt man sich stolz, dass man jetzt schon wie alle Spanier so um 22 Uhr zu Abend isst (und auch nicht anders kann). Man erzaehlt sich wie die spanische Mentalitaet in kuezester Zeit die deutschen Gewohnheiten ueberlagert und erfreut sich dessen. Man rennt zum Stierkampf und unterliegt ploetzlich der Versuchung, das spanische Abschlachten als traditionell und beeinduckend zu bezeichnen. Die Aussicht auf weitere Monate in der Fremde laesst einen selber als andere Spezies im Vergleich zum normalen Touri erscheinen. Doch insgeheim bleibt man es. Man trifft sich mit seinen Landsleuten, feiert wie am Ballermann und haelt oberflaechlichen Kontakt mit den anderen Nationen. Okay ganz so schlimm und grundlos ist dies nicht. Man umgibt sich schliesslich mit Leuten, wo man eine aehnliche Denkweise in wichtigen Bereichen vermutet und fuer eine Ueberpruefung dieser Denkweisen bei anderen Nationalitaeten fehlt einem die Zeit und vor allem das Vokabular. Trotzdem unternimmt man jeden Tag wieder aufs Neue den Versuch dem europaeischen Nachbarn wichtige Geschehnisse und Erlebnisse zu vermitteln und scheitert. Nach mehreren Versuchen beschraenkt man sich wieder auf die einfachen Rituale, die in jedem Land die gleichen sind und testet Trinksprueche in den unterschiedlichen Sprachen aus.
Man sollte offen genug sein auch andere an seinem Leben teilhaben zu lassen, aber auch ehrlich genug, dass die Suche unter der eigenen Sippe meist von mehr Erfolg gekroent ist. Erasmus ist ein Versuch der haeufig scheitert. Ich habe von Leuten gehoert, die nach ihrem Aufenthalt aehnlich schlecht die andere Sprache sprachen, dafuer Leberwerte von Dauerurlaubsniveau in der Schinkenstrasse vorwiesen.
Erasmus ist aber auch eine Herausforderung und ein staendiges Hinterfragen der eigenen Persoenlickeit als Deutscher, Europaeer oder Student. Die Konfrontation mit einer anderen Art der Lebensfuehrung laesst einen teilweise sehnsuechtig nach Hause blicken. Andere Sachen bleiben einem postiv im Gedaechtnis. Man erhaelt eine internationale Kompetenz durch kleinere Dinge, durch das Fahren in der U-Bahn, durch das Einkaufen im Supermarkt, durch das Zappen im Fernsehen oder durch zufaellige Gespraeche mit Einheimischen. Man bleibt jedoch fuer die 5-6 Monate immer Deutscher und Tourist und am Liebsten unter sich, um die oberflaechliche Sprachlosigkeit zu ueberwinden und nicht am Ende ausser Trinkspruechen auf finnlaendisch und slowakisch ohne jeglische Erfahrungen mit Substanz aus dem Flughafenterminal in die Arme der deutschen Heimat zu stolpern.
(Dies soll nur ein Versuch sein, sich der Wahrheit des Erasmus-Programms zu naehern und hat seinen Augangspunkt in der deutschen Kneipe "Zum Fass" in Madrid am Abend des Laenderspiels , Detuschland - Tschechien (o:3), wo ca. 30 Deutsche ueber die Spieler fluchten, Weissbier tranken und Wiener Schnitzel bestellten)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Stimme Dir 1000% zu...!!!! Liebste Grüsse aus Nice von Deiner Schwester