Am gestrigen Abend hab ich mich doch noch aufgerafft und bin um 22 Uhr bei dem Platz La Latina aufgekreuzt, um dort mit einigen deutschen Erasmus-Studenten bei einem nahe gelegenen Platz ein so genannte Botellon abzuhalten. Auf deutsch uebersetzt: Auf der Strasse trinken und kloenen. Und das machten wir auch. Das ganze in den letzten Tagen augestaute Redepotential wurde in einem Schwall aus deutschen Woertern nun einem Wildfremden um die Ohren gehauen. So ca. um 1 Uhr und 4 Bier spaeter hatte man seine ersten Rededurst ueberwunden und die Ersten wuenschten einen baldigen Aufbruch in eine "total tolle" Disko (10€ Eintritt!!!!!!!!). Da diese aber nicht so weit von meiner aktuellen Bleibe schien, bin ich halt noch mitgegangen. Welch Fehler! Immer mehr Spezialisten traten unter der bisher so homogen wirkenden Gruppe hervor und jeder wusste ploetzlich besonders gut, wo der richtige Weg zum Ziel, was war das noch gleich, waere. Die Folgen waren unuebersehbar: Erstens liefen wir 2 Stunden im Kreis und zweitens trennte sich in vielen aufreibenden Diskussionen die Spreu vom Weizen, wobeoi fuer mich am Ende kaum noch Weizen vorhanden sein sollte. Ich kann so eine Odyssee jedoch nur empfehlen, dann lernt man den unter der dicken Schminke an internationaler Toleranz steckenden wahren Charakter deines Landsmannes oder deiner Landsfreu kennen. So wurde ich auf meinen Tipp "Man koenne doch notfalls zum Mittelpunkt des Trubels in die Innenstadt zurueckkehren und da weiter machen, wo man urspruenglich angefangen hatte, sprich auf der Strasse Bier trinken" von einer ca. 22jaehrigen 90Kilo-Kommilitonin gemassregelt "Das man soweit noch komme, zu den Touristen zu gehen, das koennten wir mal schoen ohne sie machen". Mit diesen Worten trennte sich das weibliche Spreu von unserer Gruppe und marschierte trotzig zu einer nahegelegenen Kirmes, typisch spanisch halt.
Als wir schliesslich auf ca. 7 Leute von 20 geschrumpf waren und 2 oder 3 immernoch auf den goldenen Ratschlag eines Spaniers ueber den Aufenthaltsort des erhofften Baretablissments hofften, begab ich mich gekonnt auf den Heimweg. Eine Erfahrung reicher: Bis jetzt bin ich Touri und zwar zu 100% und ein Local werde ich in den 5 Monaten sicher nicht. Um 3 schlief ich zufrieden mit dieser Rolle ein.
Am naechsten Tag machte ich mich allein auf die Socken die Stadt zu erkunden. Ich war ihm Stadtpark Retiro, beim Bahnhof Atocha, der alten Interrail-Zeiten wegen, beim Palacio real und in der weitlaeufigen Innenstadt. Am Nachmittag versuchte ich erfolglos unsere deutschen Basketballer bei ihrem Spiel um Platz 5 zu begleiten, aber es hat ja auch ohne mich geklappt. Der Abend naht und heute werde ich wahrscheinlich nichts mehr anstellen. Muss morgen um 10 Uhr a.m. bei meiner Uni sein. Welcome-Day fuer alle Erasmus-Studenten. Das kann ja heiter werden.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen